Netzwerk junger Bechterewler

DVMB Landesverband Bayern e.V.

Die Jungen Bechterewler der DVMB im Landesverband Bayern e.V.

1. Klettertag der Jungen Bechterewler in Gilching bei München
Junge Bechterewler am Kletterfelsen
Junge Bechterewler am Kletterfelsen

Super Mario und Jim Knopf

Sonntags morgens, 10 Uhr in Deutschland. Zehn Bechtis treffen sich bei allerschönstem Wetter in Gilching, um zu schauen, ob die Luft 5-6m höher in der Kletterhalle des DAV besser ist als unten.

Oder warum klettert man da hoch?

Wir wollten klettern lernen, das war jedenfalls der Vorsatz. Plötzlich war ich mir nicht mehr so sicher, ob ich das wirklich wollte. Bei der Ankunft in der Kletterhalle sah ich schon Christin und ihren Freund Stefan klettern. Stefan hing rechts oben in der Ecke, und Christin stand unten am Boden mit dem Sicherungsseil in der Hand. Kurze Zeit später drehte sich die Situation um. Christin oben, Stefan unten. Aus dem höher gelegenen Bistro hatte man einen guten Blick auf die Kletterwände. Ich hatte mir das nicht so hoch vorgestellt, die Kletterhalle hatte 12 m hohe Wände, die mit Hunderten bunter Griffe bis an die Decke gespickt waren.

Teilstücke der Wände waren leicht vertikal gekippt, um der Natur etwas näher zu kommen.

Nach einer kurzen Begrüßung ging es auch schon los. Jeder brauchte einen Kletterpartner, einen der einem ähnlich ist, dem man sein Leben anvertraut!

Die einzige Ähnlichkeit, die der Partner haben musste, war das Gewicht. Nach der Partnervermittlung fing die Materialschlacht an, Schuhe, „Bauchgurt“ und Seil. Die Schuhe leiht man sich grundsätzlich eine Nummer zu klein aus, denn kleine Füße sehen eleganter aus.

Christin erklärte uns, dass man beim Klettern die Füße krümmt, um sich besser auf den Griffen an der Wand zu halten. Ach so!

Wir tippelten in unseren zu kleinen Schuhen, mehr auf den Hacken als auf den Zehen in die Halle und legten uns den Bauchgurt (den richtigen Namen habe ich vergessen) an. Wir waren „Gassi geh“ bereit, das Hundegeschirr war angelegt, die Leine lag vor uns.

Unser Kletterlehrer Gerhard, selbst ein Bechti, wies uns mit viel Humor in die Sicherheitsregeln des Klettern ein. Grundvertrauen, Kontrolle, Kommandos. Da wir alle noch etwas zögerlich waren, die Angst im Nacken, ich gebe die Sicherheit in die Hand eines Fremden, musste der zwölf jährige Florian immer als Versuchskaninchen herhalten. Danke Florian!

Wir übten den „Achterknoten“ mit der Eselsbrücke, der Zug (Seilende) muss durch den Tunnel und fährt immer oben auf der gelegten Schiene weiter. Nachdem jeder den Lockführerschein bestanden hatte, wurde „Super Mario“ gespielt. Der drahtige „Super Gerhard“ führte uns durch alle Level des Games mit seiner Aufwärmgymnastik. Wir sammelten Pilze, klatschten nach Goldtalern und umarmten zum Schluss natürlich die Königin. Gelockert und etwas aufgeregt ging es an die erste kleine Kletterwand mit einem Weichmattenboden, um ein Gefühl für die Griffe zu bekommen.

Nach zwei Durchgängen ging es dann auch schon an die großen Wände. Vor dem Kletterbeginn wurde der Partnercheck gemacht. Sind alle Schnallen des Partners richtig geschlossen worden, stimmt der Knoten, ist das Seil richtig eingefädelt. Anna und ich haben immer den Brems/ Falltest vergessen, aber den werde ich jetzt bestimmt nicht mehr vergessen. Da die meisten von uns noch nie vorher geklettert haben, suchte man sich immer eine kompetente Person, die einem beim Sichern des Seils half. Sozusagen die Sicherung für die Sicherung. Mir war die Verantwortung ansonsten auch zu hoch, wenn ich einen Fehler gemacht hätte: die arme Anna! Anna, meine Partnerin war ganz schön schnell, ich kam anfangs nicht mit dem Nachziehen des Seils hinterher. Ich empfand das Sichern wegen der Verantwortung fast so anstrengend wie das Klettern selbst. Wenn man den Partner von unten beobachte, dachte man, da komme ich nie hoch, und irgendwie schaffte man es dann doch. Oder auch nicht, jedenfalls kletterte ich immer höher, als ich es mir anfangs zugetraut hätte. Ich war immer erstaunt, dass ich so weit nach oben geklettert bin. Aber das war nichts gegen Anna! Anna war ein flinker Wiesel.

Da das Wetter so schön war, kletterten wir nach der Mittagspause an den Außenwänden der Kletterhalle weiter. Während der Mittagspause hängte der „Super Gerhard“ die Seile für uns an die Außenwände (dafür gab es bestimmt immer ein extra Leben geschenkt). Mir machte es Mut, Gerhard klettern zu sehen. Gerhard kletterte, als ob er Treppen steigen würde.

„Super Gerhard“ hatte auch eine trickreiche „Super Prismenbrille“, mit der man nicht den Kopf heben musste, um nach oben zu schauen. So konnte man den Kopf ganz entspannt gerade halten und hat den Kletterer oben an der Wand gesehen. Für einen Bechti ist das eine tolle Erfindung.

Leider konnte ich nicht den ganzen Tag bei dem Treffen dabei sein, da ich noch eine kleine Reise mit dem Zug vor mir hatte. Mir hat das Klettern sehr viel Spaß gemacht, es war die aufregendste Krankengymnastik, die ich bisher hatte. Nach dem Klettern fühlte ich mich gut gestreckt und hatte zum ersten Mal Muskelkater in den Händen.

Ich bin froh dabei gewesen zu sein und viele neue Gesichter kennengelernt zu haben. Vielen Dank für den schönen Tag Christin!

Janine

 

Zusatz:

Leider konnte Janine am Nachmittag beim Falltraining und beim Bouldern nicht dabei sein – schade!

Gerhard zeigte uns wie das Fallen geht. Er kletterte hoch und hängte das Seil ganz oben in einem leichten Überhang ein. Dann zog er das Seil nach, immer mehr und dann noch ein Stück, bis es sehr lose war. Und danach ließ er einfach los…

Unten stand natürlich der Sichernde mit einer zweiten Person. Wieder die Sicherung der Sicherung. Gerhard fiel bestimmt an die fünf Meter. Alle erstarten, konnten es nicht fassen und die Münder standen offen. Er versicherte uns, dass ihm nichts weh tat und jeder der möchte, könnte das jetzt auch einmal ausprobieren. Wir schauten uns an und keiner wollte so richtig den Anfang machen. Aber schließlich haben dann doch einige richtigen Mut bewiesen! Und keinem tat das Fallen weh.

Anschließend zeigte uns Gerhard noch den Boulderraum. Bouldern ist klettern in Absprunghöhe. Es geht dabei um Techniktraining, was dann an den großen Wänden umgesetzt wird. Nach einer kurzen Einführung und dem ausprobieren von ein paar Tricks waren aber alle nach einem wirklich anstrengenden Tag so kaputt, so dass wir den Tag an dieser Stelle lediglich noch mit einem Käffchen ausklingen ließen.

Für den tollen Tag bedanken wir uns alle bei Gerhard ganz herzlich und hoffen, dass es einen zweiten Klettertag geben wird.

Christin Fröhmel

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