Jung und Bechterew

DVMB Landesverband Bayern e.V.

6. Treffen der Jungen Bechterewler Bayern

vom 19.05.-22.05.2011 in Jachimov/ Tschechien (ehem. Joachimsthal)

Blick über Jachimov
Blick über Jachimov

Die Anfahrt zu unserem diesjährigen Treffen verlief im Gegensatz zum Vorjahr verkehrstechnisch deutlich entspannter und bei eindeutig besserem Wetter.
Zum Teil wurden wir über nigelnagelneue und mautfreie Autobahnen geführt, jedoch war dies von der Aktualität des eingesetzten Navigationssystems abhängig. Bei der Ankunft in Jachimov war unser Hotel (Akademie Bêhounek) nicht zu übersehen, liegt es doch in seiner ganzen Größe und Dominanz direkt am Berghang überhalb von Jachimov.

Die dominante Architektur spiegelte sich auch im relativ harten Umgangston der  Beschäftigten wider, wurden wir doch gleich kasernenhofartig in die Gepflogenheiten des Hauses eingewiesen. Terminplan, Örtlichkeiten und die Geschichte des Hauses, dies alles wurde uns nach dem Essen in einer Art Druckbetankung serviert, bevor wir zum gemütlichen Teil übergehen konnten. Das zuvor gereichte, sehr schmackhafte (eher „diätenferne“) Buffetessen wurde zudem noch dadurch gewürzt, dass wir uns alle hübsch sauber getrennt an Tischen mit fremden Kurgästen wiederfanden. Im schönen Foyer machten wir es uns danach gemütlich, genossen das gute tschechische Bier und den Blick über Jachimov.

Dabei starteten wir mit der fast schon obligatorischen Kennenlernrunde  mit jeweils einem geschwindelten und einem tatsächlichen Hobby. Durch Fragen aus der Runde wurde dann das richtige Hobby ermittelt. Mal mehr, mal weniger erfolgreich. Das lustige Rätselraten und die guten Gespräche im Anschluss ließen die ersten Stunden des Seminars wie im Fluge vergehen. Kurz vor Mitternacht gingen wir alle ermattet ins Bett.

In Liegestühlen und mit meditativer Musik machten wir uns  eine schöne Zeit im Dunklen
In Liegestühlen und mit meditativer Musik machten wir uns eine schöne Zeit im Dunklen

Nach einem üppigen Frühstück gestaltete sich der Rest des Freitagvormittags für uns alle unterschiedlich, da wir zum besseren Kennenlernen des gesamten Spektrums der Kuranlage in kleine Gruppen aufgeteilt wurden. Die Anwendungen, die wir in den beiden folgenden Tagen erfahren sollten bestanden aus Gruppengymnastik, Segmentmassage, dem Radonbad und einem Bewegungsbad. Für den heutigen Freitag stand Massage und Gruppengymnastik auf dem Plan. Jeder von uns bekam einen akkuraten Terminplan ausgehändigt, den es an den einzelnen Stationen penibel abzustempeln galt. Das nächste Treffen der gesamten Gruppe war fürs Mittagessen terminiert. Danach sammelten wir uns, um in Gruppen in die außerhalb des Hotels gelegene Salzgrotte zu gehen. Die Salzgrotte stellte sich als, mit Salzkristallbrocken ausstaffierter, klimatisierter Nebenraum des öffentlichen Kurbades heraus. Somit waren alle Vorstellungen eines authentischen Grottenbesuchs zerschlagen. Versorgt mit Decken, Liegestühlen und meditativer Musik machten wir uns jedoch eine schöne Zeit im Dunklen.

Einem parallel aufgezogenen Unwetter mit Hagelschlag konnte so die erste Gruppe entfliehen, die Nachfolger wurden jedoch auf dem Anmarsch zur Salzgrotte jäh vom Sturm erwischt. Nach dem Besuch der Salzgrotte trafen wir uns zu einem Vortrag über die Radonbehandlung, die Wirkung auf den Körper und den Kurbetrieb in Jachimov. Durch eine Ärztin der Kurklinik wurden wir ausführlich über die Geschichte des Bades und die heilende Wirkung des Radons aufgeklärt. Der Rest des Nachmittags stand bis zum Abendessen zur freien Verfügung und wurde auf unterschiedlichste Weise genutzt. Schlafen, Sightseeing, Geocaching etc., alles war im Programm. Fürs Abendprogramm war gemütliches Kegeln mit gleichzeitigem Erfahrungsaustausch angesetzt. Wir begaben uns dazu per pedes bzw. per Shuttlebus zu einem nahe gelegenen Restaurant mit angeschlossener Kegelbahn. Diese versprühte einen klassischen Ostblockcharme und wir fühlten uns wie mit einer Zeitmaschine in die 70er Jahre zurückversetzt. Auch hier stellte sich wieder ein tolles Gruppengefühl ein.

Am Samstag stand endlich das von uns allen ersehnte Radonbad an, ist Jachimov doch das älteste Radonkurbad der Welt. Nach dem Frühstück begaben wir uns einzeln in die Hände der rabiaten Badefrauen und wehe eines der Kommandos wurde falsch verstanden oder gar der Zeitplan missachtet! So mancher sah sich nackt den Sanktionen des Personals ausgesetzt… Nach dem Baden stellten wir fast enttäuscht fest, dass sich solch mystische Badekur doch kaum von einem regulären Warmbad in heimischen Gefilden unterscheidet. Nach der verordneten Ruhezeit stand noch das gemeinschaftliche Bewegungsbad an. Zu der Freude aller stellten wir fest, dass entgegen der bei uns bekannten Verfahrensweise die Therapeuten in Jachimov grundsätzlich mit im Wasser sind. Auch wird hier neben dem Training des Bewegungsapparats Wert auf die gesanglichen Fähigkeiten der Teilnehmer gelegt. So durften wir alle unser rudimentäres Repertoire an deutschen Volksliedern zum Besten geben.

schöne Innenstadt von Marienbad
schöne Innenstadt von Marienbad

Im Anschluss an das Mittagessen wurden wir von einem Bus nebst heiserem Reiseleiter in Empfang genommen und nach Marienbad chauffiert. Dort durften wir eine örtliche orthodoxe Kirche besichtigen und den legendären Schaubrunnen mit akustischer Untermalung in der Innenstadt bestaunen. Da das Wetter zum Glück durchhielt, erkundeten wir die schöne Innenstadt von Marienbad und beendeten den Ausflug nach dem Besuch der Kurhalle mit einem saftigen Stück Kuchen.

Nach einer gemütlichen Rückfahrt durch die tschechische Landschaft und einem sättigenden Abendbuffet begaben wir uns zur abschließenden Gesprächsrunde mit Erfahrungsaustausch. Diesjähriges Highlight war die Anwesenheit von mehreren älteren Betroffenen nebst Partner, die uns ihre langjährigen Erfahrungen im Umgang mit unserer Krankheit erzählten. Durch eine Themensammlung zu Beginn des Gesprächs ergab sich der Leitfaden des weiteren Abends. Es wurden wieder vielfältigste Aspekte wie Erfahrungen mit den aktuellen TNF Alpha Blockern, Spätfolgen, Kinderwunsch etc. besprochen. Alle Beteiligten hatten das Gefühl, sich offen und ehrlich austauschen zu können und jeder konnte viele Informationen und Ratschläge mit nach Hause nehmen. Getrübt wurde die konstruktive Stimmung leider durch die Bekanntgabe von Christin und Frank, ihr langjähriges Amt der Jugendleitung aus beruflichen und privaten Gründen aufzugeben. Sie sprachen den Wunsch aus, dass sich evtl. aus der Reihe der Gruppe ein Nachfolger ergeben möge.

Am nächsten Morgen löste sich die Gruppe nach dem Frühstück und der Verabschiedung auf, um den Weg in alle Richtungen Bayerns anzutreten. Abschließend ist zu sagen, dass wir alle dieses lehrreiche und informative Wochenende und die Kurbehandlungen gut in Erinnerung behalten werden und hoffen, dass wir uns bald wieder zu einer Veranstaltung  treffen. Wir danken den Organisatoren sehr herzlich, nicht nur für dieses „letzte“ Seminar, sondern auch für das langjährige Engagement für uns Junge Bechterewler in Bayern.

Sven und Sebastian