Netzwerk junger Bechterewler

DVMB Landesverband Bayern e.V.

4. Erlebnisseminar der Jungen Bechterewler

in Bad Gastein

Bei der 4.Auflage des Erlebnisseminars mussten wir einen Tag mehr einplanen, weil wir ins Gasteiner Tal im Salzburger Land doch mehrere Stunden Fahrt benötigten. Zum ersten Mal in diesem Rahmen verließen wir sogar Deutschland. Jedoch nahmen sich die meisten von uns bestimmt gerne vom 16.-19.Juli 2009 Zeit, um sich überraschen zu lassen, was denn da so alles auf uns zukommen würde.

Junge Bechterewler im Schnee

Die Anreise war bis 18 Uhr geplant. Da das Abendessen aber erst auf 19 Uhr angesetzt war, nutzten einige diese Zeit, um die Gegend zu erkunden und als Test für Samstagabend einen kleinen Spaziergang zur Astenalm zu machen. Gehzeit ca. eine halbe Stunde.
Nach der Begrüßung durch Frank und einer kleinen Vorstellungsrunde ging es dann um die Frage, hauseigenes Quellwasser (angeblich gut für den Stoffwechsel) oder nahrhafte Hopfengetränke?
Als dann nach dem Abendessen die ganze Mannschaft (die Gruppe war erfreulicherweise sehr groß mit ca. 30 Leuten) vollzählig war, musste noch die Frage geklärt werden, wer denn den Frühsport am nächsten Morgen leitet. Der Vorschlag von Doris, um 6.30 Uhr mit der Gymnastik anzufangen, half uns bei der Entscheidung. Leider wollte Doris die einstimmige Wahl zum Übungsleiter nicht annehmen.
Eine besondere Ehre wurde uns zuteil, indem wir mit unserem  Bundesvorsitzenden Franz Gadenz, der im gleichen Hotel logierte, den Abend verbringen durften. Dieser fand seinen gewohnt gemütlichen Ausgang, jedoch sehr gemäßigt, da man ja für den Heilstollen fit sein wollte.

Der Freitag begann also mit der Morgengymnastik, die auf vielfachen Wunsch wieder ins Programm aufgenommen wurde.
Danke Doris! Durch das Frühstück gestärkt ging es dann auch schon los in Richtung Stollenkurhaus. Dort wurden wir dann von Eva Lenz in Empfang genommen, die für uns den Tag im Namen des Gasteiner Heilstollens organisiert hatte. Als erstes erhielten wir von Dr. Kovac eine kurze Information zum Ablauf der Einfahrt und die Anweisung vorher ausreichend zu trinken. Nachdem bei einem kurzen medizinischen Check die Stollentauglichkeit der Teilnehmer festgestellt worden war, kamen dann die ersten organisatorischen Fragen auf: Wo kann ich meine Sachen lassen? Wo bekomme ich den Schlüssel für den Spind?Wo kann ich einen Bademantel ausleihen?Wo kann ich mich umziehen?Wo muss ich anschließend hin?Wo fährt der Zug los? Antworten auf diese Fragen gab es von den wenigen „alten Hasen“, die schon Heilstollenerfahrung mitbrachten. Wir versammelten uns alle im Einteilungsraum im 1.Stock, wo uns in einem Film die Wirksamkeit der Heilstollentherapie erläutert wurde. Die Temperatur von 37°C bis 41,5°C und die Luftfeuchtigkeit zwischen 75% und 100% im Therapiebereich bewirken eine Art therapeutisches Fieber, welches die Selbstheilungskräfte im Körper aktiviert. Die Radonkonzentration ist auf allen fünf Stationen gleich hoch. Beginnen muss aber jeder auf Station I.

Von dem Arzt, der uns begleiten sollte, bekamen wir noch einmal die wichtigsten Informationen zum Verhalten im Stollen.
Anschließend begaben wir uns zum Bahnhof im Erdgeschoss.
Nachdem wir alle einen Platz gefunden hatten, fuhr der Zug auch schon ab und es gab kein zurück mehr. Den ersten Halt machten wir an der Bademantelstation. Dort stiegen wir aus, um den Bademantel auszuziehen. Zum Glück hatten wir dann nur noch Badebekleidung an, denn es wurde heißer und heißer, während die Luftfeuchtigkeit immer höher und höher wurde, je weiter wir uns vom Stollenportal entfernten. Nach ca. 2 km gelangten wir in den Therapiebereich. Der Zug hielt zuerst auf den höheren Stationen und zuletzt wurde dann Station I ausgerufen.
So nun hieß es: Männlein rechts, Weiblein links, Liege aussuchen und entspannen.
Langsam bildeten sich die ersten Schweißperlen. Nach etwa der Hälfte der Liegezeit kam der Arzt zur Pulskontrolle und fragte jeden einzelnen, ob es ihm gut geht.
Ehe man sich’s versah, war die Zeit um, und der Zug kam, um uns abzuholen. Es musste natürlich wieder der gleiche Weg in anderer Richtung zurückgelegt werden, nur wesentlich erschöpfter und erhitzter. Da waren wir schon froh an der Bademantelstation wieder anhalten, den Bademantel anziehen und etwas besser durchatmen zu können. Wir sind alle wieder gut zurückgekommen und begaben uns zum Nachruhen in die Ruheräume in den oberen Stockwerken. Das dauerte ungefähr eine halbe Stunde, in der der Körper wieder etwas abkühlen konnte.
Wieder umgezogen trafen wir uns dann alle in der Cafeteria, wo wir uns erstmal stärkten und die Bedienungen mit unseren Einzelbestellungen ziemlich auf Trab hielten. Natürlich sollte auch die Bewegung nicht zu kurz kommen. Also stand als nächstes eine Einführung ins Nordic Walking auf dem Programm.
Ein Therapeut des Heilstollens erklärte uns – aufgeteilt in 2 Gruppen – Nordic Walking sei besonders gut für Bechtis, weil man so die Hüftbeuger Stretchen kann, die durch die Fehlhaltung oft verkürzt sind. Also traten einige - vielleicht dadurch animiert – zu Fuß den Rückweg zum Hotel mit einem Abstecher auf die Astenalm an. Wird die Astenalm vielleicht die Stammkneipe der Jungen Bechterewler? Zumindest für die Dauer dieses Seminars.
Um 18 Uhr ging es dann weiter mit dem Arztvortrag über die Radontherapie. Dr. Kovac erzählte uns von der Entstehung des Heilstollens und klärte uns über die Wirkung von Radon auf. Unterstützt durch Patientenbeispiele wurde der Vortrag sehr anschaulich und informativ.
Für das Abendessen mussten einige Forellen aus eigener Züchtung ihr Leben lassen. Sie wurden vom Chef hervorragend zubereitet.
Nach dem Ausschankende um 23 Uhr wurden wir nicht gleich ins Bett geschickt sondern, durften unsere Gespräche in geselliger Runde noch im Kaminstüberl fortführen.

Junge Bechterewler beim Backen

Wie am Vortag schon angekündigt fiel unsere Wanderung Richtung Sportgastein buchstäblich ins Wasser. Aber unsere Organisatoren hatten sofort eine Lösung auf Lager. Wie könnte es anders sein? Wenn alle Stricke reißen, muss die Astenalm herhalten. Nach dem Frühstück marschierten wir durch strömenden Regen zur oberen Astenalm, um dort kulinarisch tätig zu werden und selbst Krapfen zu backen. Ehrlicherweise muss man zugeben, dass der Teig schon vorbereitet war und unsere einzige Aufgabe darin bestand, die Krapfen in Form zu ziehen. Was aber auch gar nicht so einfach war. Die Ergebnisse allerdings waren hervorragend, vor allem im Geschmack. Dazu sollte noch erwähnt werden, dass wir natürlich auf Wind und Wetter bestens vorbereitet waren mit Regenkleidung und Regenschirmen, denn die Wettervorhersage warnte uns ja vor einem Temperatursturz. Klar, am Freitag hatte es um die 30°C am Samstag sollten es 17°C sein. Kein Problem, aber von einem Wintereinbruch war im Wetterbericht nicht die Rede. Tatsächlich fielen bei 2°C riesige Schneeflocken vom Himmel und das ganze im Juli! Unserer Stimmung tat das keinen Abbruch. Im Gegenteil, wir genossen die romantische Hüttenstimmung, während es draußen schneite. Auf dem Heimweg ließen uns einige Schneebälle die zugegebenermaßen sehr kalten Füße vergessen.
Mittags ging der Schnee dann wieder in Regen über und wir waren froh uns in der Alpentherme in Bad Hofgastein wieder richtig erwärmen zu können. Aufgrund des unfreundlichen Wetters hatten anscheinend andere die gleiche Idee. So war das Bad sehr voll. Aber man konnte super entspannen, in der Sauna, im Warmwasserbecken mit Massagedüsen, im beheizten Außenbereich oder bei einem Tässchen Kaffee. Da war für jeden etwas dabei. So schön es auch war, nach 4 Stunden freuten wir uns alle auf das Abendessen.
Für den gemütlichen Teil des Abends waren wir in der Astenalm angemeldet. Diesmal in der unteren, wir wollen ja gerecht sein. Wir marschierten also los in gespannter Erwartung, was der Abend denn so bringen würde. Aber damit hatte wohl keiner gerechnet. Die Hütte war voller Musiker. Anscheinend hatte der Wirt extra für uns eine Blaskapelle bestellt.
Naja, einige von uns wollten am liebsten sofort wieder gehen, andere fanden das doch sehr lustig. Wir quetschten und stapelten uns auf die freien Plätze und versuchten das Beste aus der Situation zu machen. Auch Dr. Eckehard Wüst, der für Sonntagvormittag eingeladen war, traf kurz nach uns ein, um bereits im Laufe des Abends für Fragen zur Neurokognitiven Therapie zur Verfügung zu stehen.
Die Toiletten entsprachen – wie es auf einer Alm eben so üblich ist – nicht gerade dem neuesten Standard: fließendes Wasser und Licht? Fehlanzeige. Gegen den unangenehmen Geruch waren wir machtlos, aber auf die Dunkelheit war Christin wieder einmal bestens vorbereitet und verlieh gerne ihre Taschenlampe, welche uns auch noch nützliche Dienste auf dem Heimweg erweisen sollte. Insgesamt wurde es doch ein sehr schöner, fröhlicher Abend, was unter anderem an der ausgelassenen Stimmung in der Hütte und den regionalen Spirituosenspezialitäten lag.

Da am Sonntagmorgen der Frühsport vom Programm gestrichen wurde, konnten wir mehr oder weniger ausschlafen. Nach dem Frühstück bekamen wir dann als letzten Programmpunkt noch einen Vortrag von Dr. Wüst, der die Neurokognitive Therapie entwickelt hat und sie als einziger in der Form praktiziert. Er versuchte uns, mit einem kurzen Abriss in patientenfreundlicher Sprache den Verlauf und die Wirkungsweise der Therapie näher zu bringen. Dabei erklärte er uns wie man mithilfe der inneren Wahrnehmung die gestörten Mechanismen innerhalb des Nervensystems, welche eine Krankheit auslösen können, erkennen und wieder in ihren ursprünglichen, gesunden Zustand zurückführen kann. Anhand einiger Beispiele wurden die verschiedenen Phasen der Therapie veranschaulicht. Somit stand das Seminar ganz im Zeichen der alternativen Heilmethoden und zeigte uns, dass es viele Möglichkeiten gibt, der Krankheit zu begegnen.
Im Abschlussgespräch stellte sich heraus, dass das Seminar wieder einmal ein voller Erfolg war. Die Organisatoren erhielten großes Lob und viele Teilnehmer versprachen, im nächsten Jahr wieder mit dabei zu sein.
Somit möchte ich hier im Namen der ganzen Gruppe den Organisatoren noch einmal ganz herzlich für das wunderschöne verlängerte Wochenende danken.